OKTOBERFEST

Kasimir und Karoline gehen zum Aufsteirern

Kreation Kollektiv nach Ödön von Horváth

Wenns mir schlecht geht, dann denk ich mir immer, was ist ein Mensch neben einem Stern. Und das gibt mir dann wieder einen Halt.
 Zu schade, dass wir nicht in einer idealen Welt leben. (Dialogversuch zwischen Erna und Chatbot Mitsuku)

Kasimir und Karoline ist ein Volksstück von Ödön von Horváth.
Es spielt auf dem Oktoberfest und zwar „in unserer Zeit“.
Damals war die Weltwirtschaftskrise von 1929 gemeint.

Unter dem Titel steht: Und die Liebe höret nimmer auf.

Das Stück erzählt das Zerbrechen einer Beziehung im Angesicht von Arbeitslsoikeit und dem Einwirken kapitalisitischer und politischer Kräfte, repräsentiert durch Figuren auf dem Münchner Oktoberfest. Man könnte sagen, dem Text liegt ein ähnliches Denken zugrunde, wie es etwa heute die Soziologin Eva Illouz in ihrem Werk Konsum der Romantik oder Gefühle in Zeiten des Kapitalismus
und Robert Misik in Die falschen Freunde der kleinen Leute beschreibt.

Diese Geschichte stellt die Frage nach dem Wert des Menschen und und seinen Beziehungen in Zusammenhang mit Arbeit und ist daher gerade jetzt wieder von Bedeutung.
Wer bin ich noch, wenn ich nicht mehr gebraucht werde?
Das klingt sehr heutig! Und man muss es ja nicht wortwörtlich aufführen.

Aufsteirern ist für das TiB ein zwingender Hintergrund.
Es ist nicht nur ein Volksfest, sondern die Selbstvergewisserung einer Lebensweise, die es real vielleicht nur ansatzweise gibt.
Es produziert Identität und scheinbare Zugehörigkeit durch das sogenannte Volkskulturelle. Vielleicht ersetzt das auch etwas.

Ich bin zwar nicht mehr Versicherungsangestellter, aber meine Lederhose sorgt dafür, dass ich wo dazugehöre.
Und wer gehört nicht dazu?
Während sich die Welt rasant modernisiert und Artificial Intelligence zum Beispiel beim Erstellen von Versicherungspolizzen schneller und effizienter ist als der Mensch, ist auch die White-Collar-Arbeit infrage stellt.

Un so  sind wir mit Zugehörigkeiten beschäftigt und setzen dabei unser kleines Glück auf´s Spiel. Das große Ganze fliegt währendessen vorbei wie der Zeppelin auf dem Oktoberfest seinerzeit.

Team

With: Monika Klengel, Juliette Eröd, Jacob Banigan, Beatrix Brunschko, Martina Zinner, Pia Hierzegger, Elisabeth Holzmeister, Lorenz Kabas, Omid Salek, Zaid Alsalame, Matthias Ohner

Staging: Ed. Hauswirth, Scenography: Johanna Hierzegger, Technician: Moke Rudolf-Klengel, Martin Schneebacher, Video: sputnic visual arts , Film: Ulrich A. Reiterer

In Kooperation mit TU Graz, Institut für Softwaretechnologie

Im Rahmen von Kulturjahr 2020