"STAUB": Die Immobilien-Welt als dystopischer Schreckenstrip

Barbi Markovic schreibt Grazer Theater im Bahnhof beklemmende Visionen auf den Leib. Von Andreas Stangl/APA)

Graz (APA) - Kritik an der Immobilien-und Baubranche fällt in Graz seit Jahrzehnten bei vielen Stadtbürgern auf fruchtbaren Boden. Das neue, für das Theater im Bahnhof (TiB) maßgeschneiderte Dreifach-Monolog-Stück "STAUB" der ehemaligen Stadtschreiberin Barbi Markovic macht keine Ausnahme. Bei der Premiere am Freitag offenbarte es sich unter der Regie von Monika Klengel als beklemmender Endzeit-Horror.

 

Die Handlung des Stücks liest sich wie eine eher unspektakuläre Science-Fiction-Story. Eine Unternehmerin mit krankhafter Staubphobie (subtil-klamaukig: Gabriela Hiti) verscherbelt ein System zur virtuellen Wiederherstellung von Wohnungen an ein Immobilienunternehmen. Eine skrupellose Maklerin (androidenhaft: Eva Hofer) nutzt dieses System, um einen Kunden (hilflos gefangen: Lorenz Kabas) zu manipulieren und versetzt sie mittels VR-Brille statt in eine echte Wohnung in eine scheinbar wunderbare, letztlich aber dysfunktionale und von verstörenden Programmierfehlern durchsetzte Wahnwelt.

 

Das TiB wäre nicht das TiB, bliebe die Inszenierung von Markovics düsterer Vision ohne humorige Momente. Alle drei Protagonisten, die jeweils in Form eines Aktmonologs auftreten, streuen zwischen das Grauen, dass das Stück ansonsten hervorruft, immer wieder gelungene Seitenhiebe auf die mitunter etwas zwischenweltlich anmutende Grazer Immo-Szene und überspielen ihre Rollen mit offensichtlichem Genuss jeweils um einen Hauch.

 

Verstörend die auf den Bühnenhintergrund projizierte, kaputte Scheinwelt einer Grazer 3D-Firma, durch die das Immobilien-Opfer Kabas (die Rollenfigur heißt Lorenz Mann) zu tappen verdammt ist; dazu passend gruselig maßgeschneidert das Klangdesign von Moke Rudolf-Klengel.

 

So bleibt das Premierenpublikum am Ende trotz der lustigen pantomimischen und sprachwitzigen Elemente der Inszenierung mit einem gedämpften Gefühl zurück. Zu beunruhigend nah an derartige Horrorvisionen ist die Wirklichkeit mittlerweile gerückt. Markovic und dem TiB gelingt es mit "STAUB", den Zuschauern diesen Spiegel vorzuhalten. Es ist wohl Absicht, dass so manche im Publikum den Heimweg nach der Premiere mit einem noch länger anhaltenden Gefühl des Unwohlseins angetreten haben dürften.

 

(S E R V I C E - STAUB. Eine Reise in die unendlichen Weiten der Immobilien, von Barbi Markovic. Mit: Eva Hofer, Gabriela Hiti, Lorenz Kabas, Regie: Monika Klengel, Musik und Technik: Moke Rudolf-Klengel; Weitere Vorstellungen: 5./6./7./12./13./14./19./20./21. Dezember sowie 10./11./15./17. und 18. Jänner, jeweils 20.00 Uhr, TiB Graz; Infos und Karten: www.theater-im-bahnhof.com/ )

 

13. Dezember 2019, Kategorien: NIE WIEDER ARBEIT