WARME GESCHICHTEN FÜR KÄLTERE ZEITEN

Porträt eines schwulen Künstlers als alternder Mann

Vor über 20 Jahren hat sich das Theater im Bahnhof mit ‚Honigbrot - Die schwule Serie’ der Thematik der Homosexualität in komödiantischer Form genähert, jetzt scheint es an der Zeit, erneut eine theatrale Standortbestimmung dieses Feldes vorzunehmen. Auf den ersten Blick scheint sich vieles zum Besseren verändert zu haben.  Um zu erkennen, auf wie fragilen Beinen diese Öffnung steht, müssen wir gar nicht erst weit über die Grenzen Europas hinaus schauen: Es reicht ein Blick nach Ungarn oder Polen; aber selbst dort, wo auf gesetzlicher Ebene ein hohes Maß an Gleichberechtigung und Antidiskriminierung erreicht ist, sieht die gelebte Realität manchmal anders aus. Während etwa die spanische Regierung das europaweit fortschrittlichste Modell in Transgender-Fragen beschließt, wird im Nordwesten des Landes fast zur selben Zeit ein junger Schwuler zu Tode geprügelt.


 

In einem sehr persönlichen Abend erzählt Lorenz Kabas aus seiner eigenen Geschichte, manchmal direkt und unverstellt, manchmal theatral aufbereitet über Texte, Bewegungen, Zuspielungen… Es wird kein durchkomponierter Abend, sondern ein Umkreisen verschiedener Themenbereiche, die als einzelne Versatzstücke modulartig aufbereitet sind und an den Vorstellungsabenden selbst dem Zufall folgend zum Ausdruck kommen; die Abfolge ist also immer eine andere, und es gibt auch nicht an jedem Abend alles. Immer gleich werden nur der Anfang und das Ende sein; und weil Schwulsein allein auch nicht abendfüllend ist, gibt es zwischendurch auch ein wenig Musik - live dargeboten, mehrsprachig, weil Lorenz Kabas das mag. Dennoch wird sich dieser Abend nicht in der persönlichen Nabelschau erschöpfen, sondern über einen radikal persönlichen Zugriff zum Zuhören einladen, gelegentlich verunsichern, manchmal auch verstören.

 


 

 

Team

Mit: Lorenz Kabas

künstlerische Begleitung: Eva Hofer, Ausstattung: Georg Klüver-Pfandtner, Technik: Moke Rudolf-Klengel, Produktionsleitung: Lena Teresa Rucker