Sie befinden sich hier:Produktionen

DER PERFEKTE TAG

ein Tanzabend

 

"Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts Besonderes: Versuch einfach nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass dich mal besuchen und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben." Monty Pythons DER SINN DES LEBENS

"Begonnen hat alles beim Laufen, als ich plötzlich diese berühmte Endorphine-Ausschüttung hatte, diesen Runner's High. Ich schmiss unwillkürlich die Arme wie zum Triumph in die Höhe und hätte weiterlaufen wollen bis zum Umfallen. Dann, später, erzählte mir mein Sohn von dem schönen Gefühl, das sich manchmal einstellt ? wie eine unerklärliche Idylle ? und dieses Glücksgefühl ortet er irgendwo in der Brust. In der Nähe des Herzens, aber nein, eher nicht im Herzen selber, sondern es beginnt mit einem wohligen Wärmegefühl in der Brustgegend und strahlt dann in den ganzen Körper aus. Und das sei unbeschreiblich angenehm." (M. Klengel)
Glück stellt sich wahrhaftig körperlich ein. Das ist für die Bühne interessant. Was passiert da, wenn "es" einsetzt? Was macht der Körper im Glück?
Die Hirnforschung weiß längst, welche Hormone für die Erzeugung des Glücksgefühls zuständig sind. Auch wodurch es ausgelöst wird, ist lange schon Forschungsgegenstand der Wissenschaft. Glücksforschung, Glücksökonomie (happiness economics) sind legitime Sparten der Forschung. Seit Jahren erforscht der Happy Planet Index die Zufriedenheit der Welt. Und kommt regelmäßig zu dem Schluss, dass wirtschaftlicher Reichtum, Luxus, Geld, Konsum nicht glücklich machen. Nachhaltiges Glück hat nichts zu tun mit finanzieller Unabhängigkeit, der Seelenzustand verbessert sich nicht mit der Kaufkraft. Der Kapitalismus generiert eher das Depressive.
PERFECT DAY beschäftigt sich mit der Glücklosigkeit des westlichen Menschen und macht sich auf die Suche nach den ganz persönlichen Momenten des Glücks. Mithilfe von Interviews, Fiktionen, (auto-)biographischen Notizen und der körperlichen Arbeit auf der Bühne (mit den Körpern, der Stimme) wird eine Situation heraufbeschworen, die sich fragt, warum einem so oft zum Heulen ist, wo doch alles ohnehin so schön und gut ist. Der Traum vom Glück begleitet uns, und sei es nur als ein Bild dessen, was wir vermissen, was uns schmerzt und fehlt. Lustgewinnler und Leidvermeider, das sind wir, aber es gelingt uns leider so schlecht.
Milli Bitterli, eine der besten österreichischen Choreographinnen, wird diesen Prozess begleiten. Ihre Fähigkeit, die Emotion von Bewegung zu erforschen und persönliche Hingabe spielerisch zu intensivieren, ihre große Leidenschaft für die öffentliche tänzerische Bewegung interessieren uns. Doch was könnte diesen flüchtigen Zustand besser beschreiben, als ein Liedgenre, das es im Musikdiskurs nie leicht hatte: die Rockballade nämlich. Die Show versucht überdies die Ehrenrettung dieses verpönten Genres. Rock- und Popballaden handeln immer vom Glück oder seiner Abwesenheit, wir werden sie wieder zum Leben erwecken, neu schreiben, reproduzieren, neu dichten, ja, auch dichten.


Regie: Monika Klengel
Choreographie: Milli Bitterli
TänzerInnen: Beatrix Brunschko, Juliette Eröd, Pia Hierzegger, Gabriela Hiti, Eva
Hofer, Elisabeth Holzmeister, Lorenz Kabas
Bühne/Kostüm: Heike Barnard
Technik: Jürgen Gerger

Licht: Thomas Leitner