von Elfriede Jelinek
Blutige Laientruppe trifft auf Nobelpreisträgerin. Das TiB spielt Burgtheater.
"Oh fein! Oh fein! Welche Fraid! Mir derfen mitgestalten! Mir derfen eine Rolle verkerpern! Mir derfen umadum-wacheln! Mir derfen Menschenbilder sein!"
Theaterviecher sind wir alle, ob Wessely, Ostrowski, Zinner, Hörbiger. Und überhaupt: Lasset uns gedenken! Uns geht es nicht mehr um die Wahrheit. Uns geht es nur noch um uns selber.
2005 wird´s wieder sehr bedenklich für Österreich, wir haben zahlreiche Gründe zu feiern. Mit "Burgtheater" geht es für Theaterschaffende ans Eingemachte.
"Burgtheater" nimmt die KünstlerInnen, insbesondere die BühnenkünstlerInnen in die politische Verantwortung. Die von Elfriede Jelinek explizit formulierte Bitte, sich die textliche Vorlage zu eigen zu machen, zu streichen, zu ergänzen, umzumontieren, das Stück also völlig aus den Händen der Autorin zu geben und den TheatermacherInnen zu überantworten, entspricht gänzlich der Arbeitweise des TiB.
Mit "Burgtheater" setzt das TiB seinen Weg fort, sich politischen Themen direkt, brachial, mit der gebührenden Respektlosigkeit und Komik zu stellen, einen Weg, den es in der vergangenen Spielzeit mit "Die beste Besetzung" weiter beschritten hat, einer Produktion, die für Elfriede Jelinek letztendlich den Ausschlag gegeben hat, uns den Zuschlag für die österreichische Erstaufführung des Stückes zu erteilen.
Eine Koproduktion mit dem Theater der Welt 2005
Regie:Ed. Hauswirth
Dramaturgie: Jochen Herdieckerhoff
Bühne Kostüme: Heike Barnard
Viedeos: Johanna Hierzegger
ergänzende Texte: Pia Hierzegger
mit: Beatrix Brunschko, Eva Maria Hofer, Lorenz Kabas, Andreas Kiendl, Michael Ostrowski, Martina Zinner
Die Produktion "Burgtheater" wird für uns immer verbunden sein mit dem Humor, der Hartnäckigkeit, der Unbarmherzigkeit und Unbeugsamkeit unseres Dramaturgen und Freundes Jochen Herdieckerhoff. Wir haben viel voneinander gelernt und sind uns gegenseitig auf die Nerven gegangen - wir haben mit ihm gemeinsam tiefe und wertvolle Erfahrungen gemacht und wir vermissen ihn schamlos.