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THE SHOP or No Ability To Choose

Wird er kommen oder muss er bleiben? Eine Lecture-Performance

 

Uraufführung beim Festival Lagos Live im Juni 2016
    
Europa-Adaption  am 01.12. und 02.12.2016 um 18:00 Uhr am Mousonturm/Frankfurt
im Anschluss in Graz (Ort wird noch bekannt gegeben)
    
mit Rupert Lehofer, Pia Hierzegger (nur Lagos), Tosin Joseph (nur Lagos), Abayomi Ajifowowe
Bühne: Stephanie Theuretzbacher
Regie: Ed. Hauswirth


Koproduktion mit dem Goethe Institut LAGOSFestival der afropäischen Künste - Afropean Mimicry & Mockery in Theatre, Performance, Visual Arts III,  wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, in Kooperation mit Theatre de Vidy-Lausanne (CH), lagos_live Festival (NG), Festival Mantsina sur Scene (CG), Goethe-Institut Nigeria, Iwalewahaus ? Institut für Afrikastudien der Universität Bayreuth, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Mit Unterstützung der Freunde und Förderer des Mousonturms e.V. (f.f.m.).

Abayomi Ajifowowe durfte Samstag nacht, nach Interventionen und Erfüllung der zusätzlich genannten Auflagen jetzt doch weiterreisen. 
Eine auf Migration spezialisierte französische Anwältin hat ihn durch das Verfahren geleitet. Die Weiterreise über Wien nach Graz wurde organisiert und wir freuen uns sehr,  dass THE SHOP am 7. und 8. Dezember 2016 diesmal mit dem Darsteller  Abayomi Ajifowowe stattfinden kann.
Die unermüdliche Arbeit des Künstlerhauses Mousonturm und die Unterstützung der österreichischen Handelsvertretung in Lagos, der österreichischen Botschaft in Abuja, des österreichischen Botschafters in Brüssel, des Konsulates in Paris,  der Abteilung Kultur Europa und Außenbeziehungen des Landes Steiermark und deren Büro in Brüssel, die Unterstützungserklärung der Stadt Graz, verfasst durch Kulturstadträtin Lisa Rücker, sowie die Berichterstattung durch die Presse war nicht umsonst.



TiB-Performance THE SHOP or No Ability To Choose scheitert an der Festung Europa

Die Koproduktion des Theater im Bahnhof mit dem Goethe Institut Lagos hatte im Juni 2016 beim Festival Lagos Live seine Uraufführung.
Eine Europa-Adaption, bei der es unter anderem um die Reisefreiheit nach Europa geht,wurde nun von Mousonturm Frankfurt zum Afropean Mimicry & Mockery Festival eingeladen und soll nächstes Wochenende in Graz gezeigt werden.

Bereits in Nigeria war es aufgrund neu zu erstellender Dokumente schwierig, das Visum für den Darsteller Abayomi Ajifowowe zu bekommen, mit Unterstützung der österreichischen Handelsniederlassung und der österreichischen Botschaft in Abuja wurde die Reisegenehmigung dann doch erteilt. Es kam zwar zu einer Reiseverzögerung von 2 Tagen, der Flug wurde allerdings so umgebucht, dass eine rechtzeitige Ankunft  zur Aufführung mit dem TiB in Frankfurt möglich war.

Am Dienstag Abend ist Abayomi Ajifowowe von Lagos mit gültigem Visum, gültigen Reisepass und allen notwendigen Einladungen und Sicherheiten von Seiten des Theater im Bahnhof und Mousonturm Frankfurt auf dem Weg nach Frankfurt in Paris zwischengelandet. Dort wurde ihm von der französischen Fremdenpolizei die Weiterreise verweigert.

Auf Nachfrage im deutschen Hotel wurde von einem Nachtportier die Zimmerreservierung nicht gefunden, da in den Unterlagen von Abayomi Ajifowowe die Buchung vom 27.11. an vermerkt , aufgrund der Reiseverzögerung  aber auf 29.11. umgebucht worden war.
Das war der Anlass für die Festsetzung.

Seitdem sitzt er trotz gültigem Visum an der Schengenaußengrenze fest, sein Mobiltelefon wurde ihm abgenommen, die Behörden legten sich quer.

Danach folgten noch andere formale Kleinigkeiten, die angeblich nicht passen. Nach Einschätzung des Künstlerhauses Mousonturm und des Theaters im Bahnhof sollten diese aber alle ausgeräumt sein.

Am Samstag soll er einem Richter vorgeführt werden, im schlimmsten Fall droht ihm die Schubhaft.

Es wurden zahlreiche Hebel in Bewegung gesetzt. Von Seiten des Landes Steiermark gibt es durch Kulturlandesrat Buchmann ein Unterstützungsschreiben an die französischen Behörden, auch die Stadt Graz verfasst über Stadträtin Lisa Rücker ein ebensolches Schreiben.

Im Augenblick wird seitens Künstlerhaus Mousonturm nach einem spezialisierten Anwalt für Abayomi Ajifowowe in Paris gesucht, unterstützt wird das Unterfangen seitens des Theater Amandier-Nanterre, die Matthias Pees um Unterstützung gebeten hat.

Diese Performance, die wir bewusst mit der Leerstelle, die das Fehlen von Abayomi Ajifowowe darstellt, spielen, sollte auch aufzeigen wie schwer es für manche Menschen ist, nach Europa zu gelangen. Jetzt holt uns die Realität ein. Das ist sehr traurig.

 


Das Überarbeiten unserer Konzepte aufgrund aktueller Ereignisse, ist unsere Pflicht. Manchmal jedoch überarbeiten die aktuellen Ereignisse unsere Ansätze.

 

Lagos im Dezember 2015: Wir stellen Goethe-Institut-Student*innen die einfache Frage warum Sie deutsch lernen und versuchen zu verstehen, wem Reisegenehmigungen erteilt werden, wohingegen andere bleiben sollen, wo sie sind - aus humanistischer Sicht unbeantwortbar.
Und warum glauben wir eigentlich, dass alle nach Europa wollen?

Graz im November 2016: Wir haben den Verdacht, dass es leichter ist, Elefantenzähne zu schmuggeln als ein Visum für einen nigerianischen Performer zu bekommen und fragen uns, ob ihn allein die Tatsache, dass er gut deutsch spricht, verdächtig macht. Gibt es ein Willkommen in der Festung Europa?

Ein realer Krimi und eine Reflexion über das unlängst Geschehene von und (hoffentlich) mit Abayomi Ajifowowe, Rupert Lehofer und Eduard Hauswirth am 7. und 8. Dezember in Graz, Treffpunkt jeweils um 17:30 in der TiB-Bar in der Elisabethinergasse 27a, 8020 Graz. Karten: T: 0316/76 36 20, E: ticket@theater-im-bahnhof.com.


Wieso Afrika du?

Es ist der seltsame Eröffnungstag eines weiteren Straßenshops in Lagos. Das Besondere an ihm ist, dass er ein gleichberechtigtes Business von Lagossians und ÖsterreicherInnen sein will und deutsche Bücher verkauft. Gibt es dafür einen Markt in Lagos. Wird er ein tragisches oder komisches Unterfangen? Und ist ein deutscher Pass auch ein Buch? (Welchen Pass würden Sie sich kaufen?) In der Performance wird die Frage nach universellen Rechten und feinen Unterschieden gestellt. Was kann mit guter Absicht gelingen und was wird immer misslingen? (Wer fährt danach weg und wer bleibt?). So war es in Lagos.
Und dieses Mal gibt es eine Europaversion, die eine Reflexion ist ? teilweise getanzt -über die Erfahrungen mit der Perfomance, mit Nigeria, dem eigenen Verhältnis, den eigenen Klischees und den realen Überraschungen. Was nehmen wir von dort mit, was bleibt auf der Strecke?
Schließlich ist als Akteur in einer performativen Welt dazu angehalten jedes verdammte Geschäft anzunehmen, das man als Nigerianer angeboten bekommt. Und das selbst wenn man Germanistik in Nigeria studiert, was man im Regelfall mit Wäschewaschen in der Nacht finanziert, und selbst wenn einem Performance ? wie im übrigen allen in ganz Nigeria - am Arsch vorbeigeht. Egal, sobald alles beginnt entsteht ein Verhältnis.
Tanzen fällt sowohl dem Rote Nasen Clown als auch dem Germanistik Studenten schwer, aber Tanz darf in einem Afrikastück nicht fehlen, denn Trommeln können beide nicht.


We are witnessing a strange opening of a new street vendor shop in Lagos. The special thing about it is that it aims at being an equal business between Lagosians and Austrians and that it sells German books. Is there a market for this in Lagos? Will this be a tragic or a comic endeavor? And is a German passport also a book? During the performance the question about universal rights and subtle differences will be asked. What can work with good intention and what is condemned to fail?Who will leave afterwards and who will stay? Who can actually choose which freedom and who decides about it? The Theater im Bahnhof is a contemporary popular theater from Graz, Austria and works together with students from Nigeria on this performance.