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DIE GEKRÄNKTE GESELLSCHAFT

Ein Wimmelbild mit 100 Menschen

 

Wenn man durch eine Stadt geht, begegnet einem ein unfassbarer Kosmos an Lebensgeschichten, die man nie erfahren wird. Das TiB schafft Abhilfe: 100 Menschen. 100% Gesellschaft. 100 Kränkungen.

Regie Monika Klengel
Ausstattung Heike Barnard
Technik Moke Klengel
Licht Martin Schneebacher
mit Jacob Banigan, Juliette Eröd, Veza Maria Fernandez Wenger, Eva Hofer, Elisabeth Holzmeister, Rupert Lehofer, Helen Thümmel

 

 

Man muss die Krankheiten gewähren lassen. (Michel de Montaigne)


Die Frühjahrsproduktion DIE GEKRÄNKTE GESELLSCHAFT wird ein Wimmelbild werden. Ein Wimmelstück. Es wird von Menschen handeln und zwar sehr vielen Menschen. Nicht einem einzelnen Protagonisten werden wir begegnen, keinem exemplarischen Einzelschicksal, auch nicht einer Gruppe von Menschen, sondern vielen Geschichten. 100 Geschichten zu 100 Prozent.


Das Ensemble des Theater im Bahnhof macht sich zum vielstimmigen Geschichtenerzähler, der von Menschen berichten, Portraits skizzieren, von banalen Entscheidungen und Alltagstragödien, von kleinen und größeren Katastrophen und Glücksmomenten erzählen wird. Wir werfen ein Netz aus. Hunderte Geschichten werden es sein, hunderte kleine Einblicke in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Spaziergänge, Urlaube, Arbeitsplätze, Geburtstagsfeiern, Begräbnisse, Tiefgarage, Kindergärten, Sponsionsfeste, Apotheken und Krankenzimmer.


Es wird wuseln und wimmeln. Man wird vielleicht den Überblick verlieren, das Gesamtbild aus den Augen verlieren, Partei ergreifen, mehr erfahren wollen, bald genug haben oder nicht genug bekommen.


Wenn man durch eine Stadt geht, begegnet einem ein unfassbarer Kosmos von Lebensgeschichten, die man nie erfahren wird, die aber alle mindestens ebenso komplex und aufregend sind wie die eigene Biographie. Das ist schon recht überwältigend. Der amerikanische Künstler John Koenig hat für dieses Phänomen ein neues Wort erfunden: ?a sonder?, das Eingang in sein ?Dictionary Of Obscure Sorrows? gefunden hat.


In diesem unübersichtlichen Wirrwarr wird es nur ein gemeinsames Motiv geben: irgendwo in den Körpern unserer HeldInnen zwickt es, irgendwo in ihren Seelen gibt es einen dunklen Fleck, der schmerzt. Diese Krankheiten stehen nicht im Mittelpunkt der Erzählung, sie werden nur beiläufig miterzählt. Was diese Gesellschaft eint, ist der anfällige Körper.


Anfällige Körper in einer anfälligen Zeit, verwundete Seelen in einer verwunderlichen Zeit, überforderte Leiber in überforderten Lebensgeschichten.


Die Zeit heilt alle Wunden, so heißt es. Unsere Zeit fügt uns Wunden zu, so scheint es.


Wir waren noch nie so gesund wie jetzt.

Wir waren noch nie so gekränkt wie jetzt.