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ZWISCHEN KNOCHEN UND RAKETEN

Ein Theaterstück von weltpolitischer Dimension

 

Zwischen Knochen und Raketen könnte auch der Titel einer edlen Universum-Dokumentation sein. Die ZuschauerInnen würden in dieser Dokumentation beispielsweise in die kasachische Steppe geführt, erahnten deren Weite, etc...
So weit von uns weg, so kompakt ins Wohnzimmer geliefert, so nirgends echt vorhanden. Der Titel wurde gewählt, um vorerst ein wenig "Dokuseriosität" zu suggerieren, um dann über eine künstliche Landschaft und deren Personal zu erzählen. Der zweite Erzählstrang behandelt das Thema Pornografie. Aus dem Drehbuch des angeblich "besten Pornofilms aller Zeiten - The Opening of Misty Beethoven" werden Sequenzen, Dialoge und Regieanweisungen herausgelöst und an Figuren übergeben. Durch den für das Genre ungewöhnlichen Ort werden Produktions- und Abhängigkeitsverhältnisse drastisch gezeigt.


Regie: Helmut Köpping
Ausstattung: Johanna Hierzegger
Sounddesign: Seppo Gründler
Dramaturgie: Johanna Hierzegger, Rupert Lehofer
nach Texten von: Chistoph Grill
Es spielen:
Jacob Banigan(CAN),Gabi Hiti(A), Elisabeth Holzmeister (A),  Rupert Lehofer (A), Pavel Permyakow  (KAZ).
In englischer, deutscher und russischer Sprache

Koproduktion steirischer herbst/TiB in Kooperation mit art&shock (KaZ)
Projektsponsor Asset One
In Kooperation mit dem Institut für Elektronische Musik und Akustik, KUG Graz
Mit freundlicher Unterstützung von FH JOANNEUM/IND, Radio Helsinki, ARTilek & Peter Felch

Zwischen Knochen und Raketen wurde mit dem Theaterlandpreis 2008 von bestOFFstyria ausgezeichnet!

Wir freuen uns diesen Preis nach "Die Beste Besetzung" (2004), "Wieder schöne Weihnachten" (2005) und "Nicht einmal Hundescheiße" (2006) heuer wieder erhalten zu haben.
Die Jurybegründung:

Der Theaterland-Hauptpreis soll DIE herausragende Produktion der Spielzeit 07-08 auszeichnen. Der theaterlandpreis geht deshalb an Theater im Bahnhof für die Produktion ZWISCHEN KNOCHEN UND RAKETEN.

Zwischen Sonne und Stahlwerk erfand das Theater im Bahnhof die Freiluft-Porno-Komödie. Was ist das besondere an dieser Komödie?

Sie öffnet Räume und schafft Weite. Diese Räume sind durchaus physisch zu verstehen. Wir blicken in die Weite der steirischen Landschaft - und in die untergehende Sonne. Dabei haben wir die Freiheit, mit papiernem Sonnenschutz das Blickfeld selbst zu bestimmen. Die physische Freiheit übersetzt sich in eine Entscheidungsfreiheit für den Zuschauer.

Die Spieler sind optisch in einer angenehmen Distanz, die durch die sinnliche Nähe des vorproduzierten Hörspiels konterkariert wird. So wird das Prinzip des Pornos, die Nah-Aufnahme und die Beweisführung des Cumshots, umgedreht. Der diskrete Porno ist geboren.

Dieser Porno findet in einer riesigen Wohnung von 70.000 qm statt, in denen die ehemaligen Sowjetrepubliken Platz finden. Dahinter fahren Autos mit österreichischen Kennzeichen vorbei. Territoriale und persönliche Identitäten überlagern einander.

Das tragische Potential der Komödie entsteht durch neue Kontexte: die BesucherInnen der Wohnung müssen enorme Entfernungen in der Agrarlandschaft zurücklegen; Pornodarstellerinen diskutieren postmoderne Philosopheme, intime Handlungen werden auf freiem Feld vollzogen.

Dabei werden uralte Komödienmechanismen ins Landschaftstheater transferiert: Der Liebhaber sucht nach einem Versteck vor dem Ehemann. Und da auf Feldern keine Kleiderschränke stehen, legt er sich einfach ins Gras und ist tatsächlich verschwunden für die Augen des Zuschauers. Volkstheater in einem ganz ursprünglichen Sinn.

Theater am Bahnhof arbeiten mit einer angenehmen Transparenz der Mittel -trefflich symbolisiert durch die Nylonstrümpfe der Männer -, die dem Zuschauer viel Freiheit lässt. Die Komödiendramaturgie führt nicht zu der vorhersehbaren Eskalation, und die Pornomechanik endet nicht im Gruppensex. Das Stück findet zu einem beinahe unwirklichen Schäferidyll mit gemeinsamer Mahlzeit und kitschigem Gegenlicht. Frieden zwischen Knochen und Raketen.

 

Die Jury:
Dr. Marianne Vejtisek, Kuratorin Theater und Tanz der Stadt Wien, Expertin der Österreichischen Theaterszene beim OFF- Theaterfestival Impulse
Marcus Dross, Regisseur und Dramaturg, Düsseldorf
Rainer Hofmann, Köln Kurator des 7. Festivals Politik im freien Theater, Heiko Pfost, Wien, künstlerischer Leiter des BRUT