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TIME TO GET READY FOR LOVE

Salzburger Nachrichten - 27.09.2011
Doch kein Besucher im Zimmer 113 "herbst":

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Unweit des Distrikts, im Grazer Orpheum, lud das Theater im Bahnhof zur Songperformance "Time to get ready for love". Vier Männer und eine dramaturgische Idee: Liedtexte zu selbst gewählten Themen vortragen. Wie weiland Gedichte aufsagen in der Schule. Bloß mit mehr Sentiment und rhetorischem Geschick. In der Regie von Robin Arthur referiert das Quartett Texte von Bacherach, Queen bis Dolly Parton, dekonstruiert so Rock- & Popillusionen. Und setzt ? kombiniert mit subjektiven Erinnerungen auf der Bühne sowie im Zuschauerraum ? (große) Gefühle frei. Wer braucht da noch Musik?


Kronen Zeitung - 26.09.2011
Lebenslieder - ganz ohne Musik
Ed. Hauswirth in "Time to get ready for love" beim "herbst".
Auf der Bühne des Orpheums: Vier Zirka-Vierziger in Anzügen aus einem glänzenden Stoff, in den sich sonst nur schmierige TV-Moderatoren hüllen. Nacheinander gehen Rupert Lehofer, Ed. Hauswirth, Jacob Banigan und Lorenz Kabas an die Rampe und tragen ein "bestes Lied" für diverse Lebenslagen vor: Jacques Brels "Vesoul" etwa, als ideales Lied, um sich in die Stimmung zum Schlussmachen zu bringen, Funny van Dannens "Saufen" als typisches Lied für "den Europäer", Joe Strummers "Silver and Gold" als perfekte Art, stilvoll den 50. zu begehen. Der Kunstkniff: Das Publikum bekommt die Musik nicht zu hören, nur die Sprecher haben einen Kopfhörer, um den Text synchron, aber unmelodiös nüchtern vortragen zu können.    Der Verfremdungseffekt erzielt verblüffende Wirkungen. Die 60er-Jahre-Frauenfeindlichkeit von Burt Bacherachs "Wives and Lovers" wird unbarmherzig freigelegt, Juliette Grecos "Deshabillez moi" verliert seine laszive Souveränität und verkleinert sich zur reinen Geste der Unterwerfung, der Witz von "Dance, Motherfucker, Dance!" der "Violent Femmes" wird kräftig gedoppelt.    Es ist eine strenge Arbeit, deren eine, grundlegende Idee ein schönes Kunstvideo hergäbe, die aber auch einen Theaterabend trägt. Natürlich entstehen einige komische Momente, aber der Humor tritt schließlich in den Hintergrund. Hauptsache ist eine Erzählung darüber, wie Popsongs uns begleiten und Spuren im Leben hinterlassen; wie man sich individuelle Hit-Listen zusammenstellt, um seinem komplizierten Dasein ein bisschen Ordnung und Orientierung zu geben.
Ein berührender Abend mit vier großen Buben.
Martin Gasser


Der Standard - 26.09.2011
Glücklich sein im Erdäpfelland

(...)zeigte die außerhalb Schwedens so gut wie unbekannte Choreografin und Filmemacherin Gunilla Heilborn, welche Sorgfalt notwendig ist, um künstlerische Positionen klar zu machen.   
Melodien des Lebens
Dem Theater im Bahnhof würde man von dieser Sorgfalt mehr wünschen. Die jüngste Produktion der Grazer Theatergruppe, Time to get ready for love , darbt eineinhalb Stunden lang an nur einer Idee: Ein Männerquartett in blau schimmernden Anzügen liefert ein dekonstruktivistisches Musterbeispiel einer Songperformance. Getarnt als Lecturedemonstration mit Unterrichtstafel treten die Herren samt Bierflaschen an, um von den Liedern ihres Lebens jeweils nur den gesprochenen Songtext darzubringen. Das zeitigt ein paar sehr gute Momente, wenn etwa Lorenz Kabas versucht, mit Jacques Brels Höllentempo beim Reiselied Vesoul mitzuhalten oder wenn Jacob Banigan zu den Violent Femmes tanzt. Doch die eigentliche Idee des "Sichtbarmachens" von Musik blieb unausgearbeitet.
Margarete Affenzeller


Kleine Zeitung - 25.9.2011

Reden wir über das beste Lied
"Time to get ready for love": ein (fast) musikfreier Abend voller Popsongs.
GRAZ.

Reden Männer über Musik, mutiert die oft zum Transportmittel für Selbstbilder, Einsichten, Image. Das funktioniert auch, wenn man Songtexte bloß nachspricht. "Time to get ready for love", eine herbst-Produktion des TiB, demonstriert das. Wenigstens eine halbe Stunde und einige schöne Momente lang.
Schmerzhaft schön und banal
Auf der Bühne des Grazer Orpheums: Vier satinglänzende Herren, zwei Tische, vier Barhocker, ein Whiteboard, eine Kiste Bier (Ausstattung: Johanna Hierzegger). Versuchsanordnung: Songtexte ins Publikum zu sprechen, die man per Kopfhörer zeitgleich ins Ohr gesungen bekommt. Das entrückt den Sprecher und enthüllt das so schmerzhaft Schöne wie Banale an Songtexten von Dolly Partons "Here You Come Again" bis zu Bill Wither's "Use Me". Weil der Abend auch ein Spiel mit Männerrollen sein soll, geht es natürlich immer um den besten Song: zum 50. Geburtstag, um eine Frau zu kränken, für den One Night Stand mit dem Chef.
Dazwischen wird ein wenig getanzt; aber Regisseur Robin Arthur ("Forced Entertainment"), lässt Jacob Banigan, Ed. Hauswirth, Lorenz Kabas, Rupert Lehofer nur minimal interagieren, was den Unterhaltungswert des Abends auf Dauer dann doch auf den Spaßlevel alkoholinduzierter Gesellschaftsspiele auf überlangen Partys herunterfährt. Schönster Moment des Abends: Wenn am Ende Lorenz Kabas Ella Fitzgeralds Version von Cole Portes "Ev'ry Time We Say Goodbye" vorträgt, hört man die Musik aus dem gesprochenen Wort. Und trägt nachher den Song noch eine halbe Stunde durch die Stadt.


Kleine Zeitung - 25.09.2011
Amulette, Klubs und Querköpfe "Zweite Welten" werden in Graz versprochen. 

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Männer & Midlife. Vier Männer um die vierzig beschreiben Plattenhüllen aus der Erinnerung. Nur noch heute, 21.30 Uhr.   (...)