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JOCHEN RINDT

Jochen Rindt

Beschreibung der Jury von bestOFFstyria 2010

Theater im Bahnhof
«Jochen Rindt, ich möchte auch ein Ehrengrab»
Theater im Bahnhof sind Jochen und seine Familie: sie spielen ihre eigene ?Formel Eins?- Saga über Jochen Rindt in verschiedenen Filmsets mit einer Fahrt durch das nächtliche Graz. Dabei verbindet Theater im Bahnhof die Bustour mit der Grand-Prix-Geschichte der Stadt und vermischt Fakes und Fakten auf unterhaltsame Weise. Mit wunderbar inszenierten Locations, einem zu Richard Clayderman schlafenden Busbahnhof, einem dramatisch inszenierten Tod, brennenden Autowracks und an Dennis Hopper erinnernde Bilder. Die Zuschauer werden aus der Stadt entführt und in ganz andere Universen transportiert. Dabei glänzt die Gruppe insbesondere mit einer poetischen Bildregie und der visuellen Inszenierung von alltäglichen Orten.

Jegliche Theaterroutine sprengt das Grazer "Theater im Bahnhof" (TIB) mit seiner neuen Produktion "Jochen Rindt - Ich möchte auch ein Ehrengrab". Das TIB wandelt auf den Spuren von Österreichs erstem Formel-1-Weltmeister, und zwar ganz gemächlich im Reisebus quer durch die Murmetropole. Gespielt wird sowohl drinnen als auch draußen. Freitagabend hatte das Stück Premiere.
Mit durchschnittlich 30 Stundenkilometern fährt der Bus mit den Zuschauern durch die Bezirke Gries und Wetzelsdorf: Auf jener rund zehn Kilometer langen Strecke, die Rindt laut TIB selbst als "Graz-Grand-Prix"-Strecke geplant hatte und die vielleicht verwirklicht worden wäre, hätte er nicht am 5. September 1970 in Monza sein Leben ausgehaucht. Die aberwitzige Streckenführung bringt die Fahrgäste u.a. zu einem Nachtwürstelstand, zum Parkplatz eines großen Autohauses, zum Hauptbahnhof, einer Tankstelle, der Autobus-Remise bis hin zum Grab des Rennfahrers am Grazer Zentralfriedhof.
An diesen theatralischen Boxenstopps bekommt das im Bus sitzende Publikum von den im Außenraum agierenden Schauspielern Szenen aus dem Leben des Rennfahrers - wie es war oder wie es gewesen sein könnte - vorgeführt: Jochen lernt seine spätere Frau Nina kennen, Rindt wechselt zu Lotus, der Unfall von Barcelona, seine Streits mit Lotus-Chef Colin Chapman, seine Beziehung zur Grazer Großmutter, zu Ehefrau Nina, zu Colins Frau Hazel. Die Zuseher bekommen die Stadt wie durch eine Videokamera vorgeführt, Stadtrealität und Fiktion vermischen sich. Das Aufeinandertreffen von Schauspielern und Passanten führt teils zu grotesken Situationen, die durchaus gewollt sind. Pia und Johanna Hierzegger sowie Gabriela Hiti haben die Texte verfasst und das erfrischende Gesamtkonzept erstellt.
Geleitet wird die Reisegruppe von Jochen, ein Unternehmer, der durch Krankheit arbeitsunfähig geworden ist und den "James Dean der Formel I" glühend verehrt, sowie seinen Freunden. Rupert Lehofer informiert im Bus über alles, was man schon immer über den Rennsport wissen wollte. Draußen an den "Haltestellen" zeichnet er in den jeweiligen Sequenzen Jochen Rindt als ganz und gar nicht coolen Typen, sondern als teils naiven, manchmal nachdenklichen und zuletzt sogar ängstlichen Menschen. Weiters im Ensemble Juliette Eröd (Nina), Lorenz Kabas (Colin Chapman), Eva Maria Hofer (Omi), Beatrix Bruntschko (Jackie Stewart), Martina Zinner (Helen Stewart), Monika Klengel (Tante Ewi) und Elisabeth Holzmeister (Hazel Chapman).
APA, Annemarie Happe

 


Graz (APA)


Kronen Zeitung
Jochen Rindts Grazer Grand Prix
Die Erkundung der Stadt und ihres dramatischen Potenzials gehört zu den großen Stärken des Theaters im Bahnhof. Mit "Jochen Rindt. Ich möchte auch ein Ehrengrab" gelingt mehr als eine spannende, äußerst unterhaltsame Tour de Force.
Jochen Rindt, in Graz aufgewachsene Rennfahrerlegende, die 1970 posthum zum Weltmeister gekürt wurde, dient dem Trio Gabriela Hiti, Johanna und Pia Hierzegger als Ausgangspunkt für diese mobile Stadtforschung. Mit einem GVB-Bus wird die von Rindt und seinen Freunden geplante Grand-Prix-Strecke abgefahren; an Schlüsselpositionen werden einzelne Szenen seines kurzen, durch einen tödlichen Unfall in Monza beendeten, Lebens nachgespielt. Den Bus muss man dafür (fast) nie verlassen, der Text wird via Tonband geliefert.
Das ganze ist aber keine simple Nacherzählung: Mit der Geschichte des schwer kranken (Rupert Lehofer erweist sich in dieser Rlle als Formel 1-Experte), dessen Freunde und Familie, diese Erinnerungstour für ihn organisiert haben, wird eine Zwischenebene eingefügt, die Distanz und Nähe gleichzeitig erzeugt. Wenn etwa Jochens Ex-Chefin (Juliette Eröd) das Unterfangen nicht nur finanziert, sondern auch in die Rolle der Nina Rindt schlüpft, Lisbeth, seine Frau (Martina Zinner), gemeinsam mit der Schwägerin (Beatrix Brunschko) das Ehepaar Helen und Jackie Stewart gibt, oder der Schwager (Lorenz Kabas) als Colin Chapman in Erscheinung tritt, dann bekommt die Geschichte zusätzlich Zunder. Auch Monika Klengel, Eva Maria Hofer und Elisabeth Holzmeister sind doppelte Schlüsselfiguren. Und selbst der Bus (mit einem großartigen Herrn Lenes als Fahrer) spielt nicht gerade eine unbedeutende Rolle.
Das "Stationendrama" kommt oft wie ein Film daher, der Regen am Premierenabend hat diesen Effekt noch verstärkt. Darüber hinaus liefert das TiB-Team faszinierende Bilder, komische und berührende Situationen. Ein Pflichttermin! Nicht nur für alle Jochen Rindt-Fans.


Falter 46/09
Theater TiB: Graz durfte nicht Monaco werden
Rupert Lehofer führt als Jochen Rindt auch zu dessen Grab am Zenralfriedhof
Nein, Graz sieht nicht gerade aus wie eine Formel 1- Destination, aber die hier heimischen Rennstars Helmut Marko und Jochen Rindt (der mit den vielen Hotels und der mit den vielen Kerzen am Ehrengrab) hatten diesbezüglich einst große Pläne. In seine neuen Produktion "Jochen Rindt. Ich möchte auch ein Ehrengrab" führt das Theater im Bahnhof seine Gäste mittels Reisebus entlang der damals konzipierten Grand-Prix-Strecke durch die Stadt und auf die Spuren des toten Weltmeisters. Endstation Zenralfriedhof.
Es ist schon eine Weile her, dass das TiB sich programmatisch zum "neuen Heimattheater" bekannte, mit dieser Arbeit wird es dieser Etikettierung wieder voll gerecht. In einer Gratwanderung zwischen Hommage und Ehrengrabschändung ziehen acht TiB-Mitglieder samt Gästen ale Register eine fingierten Amatheurtheater rund um Motosportgeschichte, alte Mythen und neue Verschwörungstheorien zum Leben bzw. Ableben Jochen Rindts. Die Zuseher dürfen aus sicherer Busfensterhöhe beobachten, wie die Playbackschauspieler draußen auf der Straße ahnungslose Passanten mit falschem Grand-Prix und Theaterstress verunsichern, Scheinwerfer durch die Gegend schieben und sich zu den komischen Dialogen bewegen, die die mitgeführte Soundmaschine ausspuckt.
Der atemlose Dilettantismus wird dabei zum ästhetischen Programm, Rupert Lehofer gibt den unbeholfenen Reiseführer, Motorsportfreak und Hauptdarsteller in Personalunion, Moni Klengel begeistert mit einer fast musikhauptschultauglischen Einlage am Keyboard und der Mann im weißen Overall, der das Plakat ziert, hat gar keinen Führerschein. So schön daneben war schon lange kein Theater mehr.
Falter, Hermann Götz


"Theater im Bahnhof" lädt zum Boxenstopp mit Jochen Rindt
Publikum erlebt reale und fiktive Szenen aus dem Leben der Rennfahrer-Ikone vom Bus aus - Endstation Ehrengrab.
Ein todkranker Frühpensionist und seine Familie fiktionalisieren das Leben des verehrten Rennfahrers. Unter dieser Versuchsanordnung lädt das Theater im Bahnhof zur zweistündigen Busrundfahrt entlang einer hypothetischen Grand Prix-Strecke durch Graz. Der Würstelstand am Lendplatz gehört dann Jochens Oma, eine Rollstuhlrampe wird zum Krankenhauseingang, ein Autohaus zum Lotus-Rennstall.
Die Szemander Zuschauer vom Bus aus, über dessen Lautsprecher werden die Schauspieler synchronisiert, dazu gibt es Hörspielsequenzen, A-cappella-Einlagen und Tableaux vivants, von den acht Darstellern in einer logistischen Meisterleistung zwischen Kalvariengürtel und Zentralfriedhof platziert.
Allerdings: Der Trick, Schauspieler Leute spielen zu lassen, die andere Leute spielen, hat sich abgenutzt. So rührend echt Rupert Lehofer den unbeholfenen Amateurdarsteller gibt, so unterhaltsam das unnütze Wissen über die Rennfahrerei ist, so beliebig bleibt das Erzählte. Die an sich clevere Idee des Autorinnen-Trios Gabriela Hiti, Johanna, Pia Hierzegger, in Helden-Biografien übliches Pathos durch ironische Trivialisierung zu unterlaufen, erweist sich als wenig hilfreich: Zwischen all den textlichen, optischen, akustischen Gags verschwinden sowohl der tote Rennfahrer als auch sein sterbender Verehrer. Es bleibt ein kunstfertiger Ulk, mal anmutig, mal kurios, nicht mehr.
Kleine Zeitung, UTE BAUMHACKL


Kleine Zeitung, Steirerinnen des Tages
Ein Trio in Poleposition
Drei Theatermacherinnen bringen Jochen Rindt als Roadmovie nach Graz. Unter ihnen auch Pia Hierzegger, deren Inszenierung von Wolf Haas' "Das ewige Leben" am Grazer Schauspielhaus zu sehen ist.
Drei Damen, ein Nationalheld und ein GVB-Bus: Johanna Hierzegger, Gabriele Hiti und Pia Hierzegger inszenieren "Jochen Rindt" als Roadmovie
Drei Damen, ein Nationalheld und ein GVB-Bus: Johanna Hierzegger, Gabriele Hiti und Pia Hierzegger inszenieren "Jochen Rindt" als Roadmovie
In der Kerzenstatistik steht keiner so hoch im Kurs wie er: Jochen Rindt, Formel-1-Ikone und Nationalheld. Er polarisiert noch immer. Begraben am Grazer Zentralfriedhof, ruht er zwischen Rudolf Carl und Wolfi Bauer und zieht die Massen nach wie vor an.
"Diese Bedeutung wollten wir mit unserer fiktiven Geschichte über Jochen und Nina Rindt einfangen", sagt Regisseurin und Schauspielerin Pia Hierzegger (37), die "Jochen Rindt. Ich möchte auch ein Ehrengrab" gemeinsam mit Schwester Johanna (44) und Gabriela Hiti (41) konzeptioniert hat.
Wohin geht die Reise?"
Wir sind anscheinend so etwas wie das Spezialteam für Theater im öffentlichen Raum", sagt Hierzegger. Nach "Gries Connection" und "Die Scheißhäuser von Woodstock" nun also der neueste Touren-Streich. Beliebtes Einzugsgebiet des "Theater im Bahnhof"-Trios: ihre Heimatstadt Graz, östlich der Mur, bevorzugt die Randzone Gries. "Das ist immer ganz lustig, wenn wir uns auf Schauplatzsuche begeben", sagt eine. Die anderen beiden nicken. Sie sitzen, tief versunken, in den Couchsofas im Theater im Bahnhof, die Vormittagsproben sind vorbei. Es folgt noch die Abendschicht. Formen angenommen hat die Idee zum Rindt'schen Roadmovie bei einer kurzen Auszeit in Kärnten. "Wir sind uns meist schnell einig."
Wohin geht die Reise diesmal? Hiti: "Es wird viele Boxenstopps geben, an einer Tankstelle, am Zentralfriedhof oder in einer Werkstatt." Vielleicht hat auch noch ein Busfahrer seine Finger im Spiel. Große Zukunftspläne?
"Eine Tour, die man auch in anderen Städten machen kann. Universell." Aber erst, wenn diese Premiere Geschichte ist. "Das ist der schlimmste Moment, wenn man weiß, jetzt kann man nichts mehr tun - außer abwarten."
JULIA SCHAFFERHOFER