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FRIEDHOF DER EIGENHEIME

KRITIKEN
Kleine Zeitung vom 30. Juni 2012 - VON MICHAELA REICHART
Regionale12 in Frojach: ?Friedhof der Eigenheime? vom TiB

Zeitgenössisches Volkstheater, regionale Feldforschung  und das Definieren von Räumen vereint das Grazer Theater im  Bahnhof immer wieder zu unterhaltsamen, deshalb nicht weniger scharfen  Bestandsaufnahmen. So wie aktuell im Rahmen der Regionale12 in Frojach das Projekt ?Friedhof der Eigenheime?. Träume landen auf der Deponie.

Eine Baustoff-Deponie ist der Schauplatz des traurigen Abgesangs auf die Träume vom eigenen Haus. Dort findet sich der ?Friedhof der Eigenheime?, wo die vielen  Häuser, die nicht mehr gebraucht werden, ihre ewige Ruhe finden. Juliette Eröd,  Pia Hierzegger, Gabi Hiti, Elisabeth Holzmeister und Martina Zinner führen die  Gruppe von Zuschauern durch diese Deponie, zeigen das Denkmal für den Wacholder  ebenso wie die schräge Aufbahrungshalle, lassen dort den Bagger tanzen (eine großartige Szene), eine Motocross-Maschine ihre Runden drehen, ein Pferd galoppieren. Dazwischen wird erzählt ? von den Hoffnungen und Träumen, die mit dem Häuslbau einhergingen, von der Tristesse eines Scheidungs-Rohbaus, von den Kindern, die keinen Wert auf die Übernahme des Häuschens legen, von  Finanzierungsproblemen und Bausparverträgen.

Der Produktion sind lange Gespräche mit den FrojacherInnen vorausgegangen über das Bauen, über Abwanderungen,  über Brauchtum und Gartenkunst. All das hat das  TiB-Team ? neben den Akteurinnen noch Regisseur Helmut Köpping, Dramaturg Rupert Lehofer und Ausstatterin Johanna Hierzegger ? zu einer humorigen und zugleich  auch sehr nachdenklich stimmenden Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im  Bezirk zusammengefasst. Natürlich ergänzt durch TiB-typische Elemente wie  Gesangseinlagen, Schauplatzwechsel und das Miteinbeziehen vorhandener
Ressourcen. Eine gelungene Problembehandlung, bei der nicht nur für Frojacher der Wiedererkennungswert groß ist. VON MICHAELA REICHART